Sonntag, 9. Dezember 2012

El Hierro - Bohrungen kulkulierbar oder eine Gefahr?

NEWS: 12.59 Uhr - Beben von ML2,3 in 12 km Tiefe genau an der Eruptionsstelle vom Eldiscreto

Damit die Bebenstatistik für den gestrigen Samstag komplett ist, noch ein Erdstoß um 9.50 Uhr mit ML1,4 in 10 km Tiefe im Golfo. Wir haben somit das ML2,4 Beben südlich der Westspitze am Leuchtturm und zwei Erdstöße im Golfo.

Was passiert, wenn ein aktives Vulkanfeld angebohrt wird?


In Fortsetzung unserer Überlegungen zu den beabsichtigten Erdölbohrungen vor den östlichen Kanareninseln möchte ich heute ein Beispiel zu einer absichtlichen und bewussten Bohrung in ein aktives Vulkanfeld vorstellen. Es geht um das Gebiet der Phlegräischen Felder etwa 20 km westlich des Vesuv in der Nähe von Neapel im südwestlichen Italien. Ein Gebiet mit sehr hoher vulkanischer Aktivität und unzähligen Thermalquellen und Fumarolen. Zudem sehr dicht besiedelt wie auf der NASA Aufnahme gut zu erkennen.
Aus dampfenden und zischende Öffnungen im Boden steigen neben Wasserdampf auch Schwefeldämpfe, die das Umfeld gelb eingefärbt haben, seit Jahrhunderten auf (Foto: Stanley-goodspeed/ Wikipedia). An die 50 Eruptionspunkte wurden gezählt. Der Untergrund hebt und senkt sich seit 2500 Jahren in bisher drei Zyklen um bis zu 20 Meter. Dagegen sind unsere Verformungen auf El Hierro mit 12 cm harmlos. Allerdings muss der Zeitfaktor berücksichtigt werden.

Der Untergrund ist genauestens untersucht und erforscht. Es geht auch nicht darum eine Magmablase oder eine Magmakammer anzubohren. Ziel dieser Bohrkampagne ist es vielmehr, das Ausmaß einer vulkanischen Bedrohung herauszufinden um bei einer Änderung der Gas- und Druckverhältnisse schneller die über ihr lebende Bevölkerung warnen zu können.
Beide Bohrungen erfolgen von Land. Die erste Bohrung soll auf 500 Meter Tiefe und die zweite Bohrung bis auf 4000 Meter niedergebracht werden. Es sollen Sensoren in den Bohrlöchern angebracht werden, die über die Dynamik des Vulkan Aufschluss geben.

Ist diese Bohrung riskant?

Ganz ohne ist diese Bohrung nicht - es ist der erstmalige Versuch in ein aktives Vulkanfeld zu bohren. Ein Experiment an dem unmittelbar und zwangsläufig tausende Menschen - die Anwohner, beteiligt und bei einem Fehlschlag auch betroffen sind.

Auch die erste Mondlandung oder der Sprung von Felix Baumgartner aus 38.000 Meter Höhe war ein Experiment das von Vielen für sehr riskant oder gar als verrückt gehalten wurde. Beides hat geklappt - nur wären bei einem Fehlschlag keine Unbeteiligten davon betroffen worden.

Natürlich halten die beteiligten Wissenschaftler die Bohrungen für ungefährlich. Andere Geologen und Vulkanologen dagegen warnen vor den evtl. Folgen. Das Projekt wurde bereits einmal 2009 von den regionalen Behörden gestoppt. Es könnten Beben und explosive Reaktionen entstehen, wenn das in 3 Kilometer Tiefe vorhandene und unter hohem Druck stehende Wasser in das ca. 500° heiße Bohrloch eindringt.

Die meisten Forscher sind sich dagegen aber einig, dass es ein viel größeres Risiko wäre, den Vulkan nicht zu erforschen.

Wie erklärt es der zuständige Forscher

Im Interview mit Zeit-Online erklärt Bohrleiter U. Harms, warum es nicht zur Katastrophe kommen wird.

"Frage:  Herr Harms, Sie und Ihre Kollegen planen, die Phlegräischen Felder bei Neapel zu Forschungszwecken anzubohren. Bei manchen Kollegen stößt das Vorhaben auf starke Kritik. Wie hoch ist das tatsächliche Risiko?" weiterlesen in  Zeit-Online

Kommentare:

  1. Wanninger meint dazu: Es ist doch immer das Gleiche, ein "Wissen"schaftler ist sicher, dass mit seinen Versuchen nichts schief geht (nach menschlichem Ermessen!) oder wie am Beispiel El Hierro, dass keine Gefahr besteht.
    Wenn es dann doch in die Hose geht, dann ist der verantwortliche Wissenschaftler meist weit weg oder man redet sich heraus mit solchen Aussagen wie "Nach unseren Berechnungen war alles sicher".
    Und die Betroffenen haben das Nachsehen.
    Es gibt viele Beispiele in der Vergangenheit, wo die ach so grossartige Wissenschaft voll daneben lag oder etwas passierte, mit dem "niemand" rechnen konnte...
    Im Übrigen ist es in der Wissenschaft ja üblich, nur das für wahr zu halten, was man messen kann.
    Was man nicht messen kann, gibt es nicht.
    hahaha.
    Und die Wissenschaft ist ja nun bekanntermaßen keineswegs unabhängig. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing...

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  2. Wer ist denn eigentlich dieser "Wanninger", der immer diese "wissenschaftskritischen" Kommentare schreibt?

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  3. Moin

    Bei dem Wort "Wissenschaft" sollte man sich der Bedeutung des Wortes klar sein. Wissenschaft ist nix anderes als Wissen zu schaffen.

    Die Wissenschaft hat es geschafft das wir Wissen das es auf Mond und Mars Wasser gibt. Allerdings tappt die Wissenschaft bei der Magma noch teilw. völlig im Dunklen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Magma#Entstehung

    Somit sollte das anbohren der Phlegräischen Felder nicht dramatisch sein wenn man bei 200°C aufhört wie geplant. Allerdings geh ich bei den Kanaren von Bohrungen auf etwa 6km u.N.N. aus. Greade die profitoriente Petrochemie wird sich da nicht an den Regeln der Wissenschaft halten.

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  4. Mich stören einfach diese Verallgemeinerungen:
    "...Es ist doch immer das Gleiche..."
    "...Wenn es dann doch in die Hose geht, dann ist der verantwortliche Wissenschaftler meist weit weg..."
    "...Was man nicht messen kann, gibt es nicht..."

    Man kann ja darüber diskutieren, ob immer alles sinnvoll ist oder ob Wissenschaftler die Gefahren ernst genug nehmen. Auch über die Unhabhängigkeit...

    Aber dieses Blabla...

    Hier gibt es noch einige Artikel (Englisch) dazu:
    http://www.wired.com/wiredscience/2010/09/tuesday-tidbits-drilling-into-the-campi-flegrei-caldera-revisited-middle-eastern-volcanoes-and-planchon-peteroa-from-space-and-more-eyjafjallajokull/

    http://www.wired.com/wiredscience/2012/04/could-people-trigger-a-volcanic-eruption-on-purpose/

    Sorry für die langen Links :)
    Ich halte übrigens die Ölbohrungen für gefährlicher, weil im Gegensatz zu den Bohrungen in Vulkane hier schon sehr viel passiert ist. Vor allem im laufenden Betrieb.

    M.F.

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