Dienstag, 16. Dezember 2014

Vulkan - Restingolitas mit hoher Radioaktivität?

Restingolitas geben Rätsel auf



Ungewöhnlich und selten waren die Restingolitas schon. Die Lava-Mixtur der im Jahre 2011 bei der Eldiscreto Eruption  vor El Hierro ausgeworfenen Lavabrocken mit weißem Kern. Nur für wenige Stunden wurden gleich zu Beginn des Vulkanausbruch im Oktober 2011 diese bis dahin nicht bekannten Restingolitas an die Meeresoberfläche befördert. Ihren Namen bekamen sie dann später nach dem nahen Küstenort La Restinga. 

Viel Spekulation und eingehende Untersuchungen zu den auffälligsten Merkmalen von Farbe, Textur und der Restingolitas- Zusammensetzung wurden durchgeführt. Dabei wurde schon früh die hohe Radioaktivät der Restingolitas bemerkt. Wissenschaftler der Universität Las Palmas und Involcan aus Teneriffa hatten in den vergangenen Jahren nun Zeit der Ursache etwas näher auf den Grund zu gehen. 

In einer im November 2014 im Wissenschaftsmagazin " Journal of African Earth Sciences" veröffentlichten Studie stellten sie fest, dass der weiße Kern eine Trachyt-Rhyolithische Mischung darstellt. Diese schwammige von vielen Gaskanälen durchzogene Masse, enthält sehr viel Silizium und Uran. Es dürfte sich um kieselsäurehaltiges Sedimentgestein aus dem Meeresboden handeln. Alte Ablagerungen von Meerestieren und kalkhaltigen Substanzen oder auch Material von früheren Vulkaneruptionen mit hohem Siliziumanteil. 
Das dunkle Gestein das den weißen Kern ummantelt, stammt dagegen aus tieferen Erdschichten und besteht aus Basalt. Beim Aufstieg wurde vom basaltischen Magma das auf dem Meeresgrund abgelagerte helle Sedimentgestein aufgeschmolzen und in einer Art Recycling mit vielen Gaseinschlüssen noch mit einem Schokoladenguss versiegelt. 



Diese luftige Mischung mit hohem Auftrieb gelangte so an die Meeresoberfläche und wurde von der Meeresströmung abgetrieben. Nach nur wenigen Stunden war das Recycling Material aufgebraucht und es folgte nur noch frische dunkle Lava aus der Magmakammer. 


Hier links eine Restingolita- Aufnahme unter dem Elektronenmikroskop. Deutlich sind die höhlenartigen Gänge zu erkennen. Genügend Platz für Gaseinschlüsse.






Wo kommt der hohe Urananteil in den Restingolitas her?


Auffällig für die Vulkanologen war jedoch der hohe Urangehalt in den Restingolitas. Eine Urananreicherung mit Werten zwischen 30 bis 40 ppm (Gramm pro Tonne) im weißen Kern der Restingolitas. Noch nie wurde auf und um die Kanarischen Inseln solch ein Gestein mit einer so hohen Radioaktivität nachgewiesen oder gefunden. 
Es könnte durch selektive Übertragung von Spurenelementen mittels hydrothermalen Lösungen entstanden sein. Durch die Meereszirkulation am Inselsockel könnte es zu einer hohen Konzentration und Ablagerung gekommen sein - so der wissenschaftliche Erklärungsversuch. 

Uran ist ein radioaktives Schwermetall und giftig. Es ist ein natürliches Produkt unserer Erde und kommt in unterschiedlichster Konzentration vor. Im Erdinnern liefert es seit Jahrmillionen Energie und ist maßgeblich für die Erdwärme verantwortlich. Wie ein natürlicher Reaktor gibt der radioaktive Zerfall große Mengen Energie frei und ist die Bodenheizung unseres Planeten.
Es stellt sich jetzt die Frage, warum gerade auf El Hierro flach am Meeresgrund sich soviel Uran angereichert hat. 

Durch Phosphathaltige Düngemittel kann Uran in Inselnähe auch auf den Meeresgrund gelangen. Überall wo Phosphat abgebaut wird kommt auch Uran vor. So wurde im Phosphat aus den USA 65 bis 141 Gramm Uran pro Tonne und in brasilianischen Phosphat gar 220 Gramm/Tonne nachgewiesen. 
Der Süden von El Hierro wird landwirtschaftlich kaum genutzt.und wurde daher in der Vergangenheit sicher auch nicht übermässig mit phosphathaltigen Düngemitteln belastet.
Auch aus andere Inselregionen die im bevorzugten Nordost Strömungskanal liegen kann Uran nicht angeschwemmt worden sein. 

Bleibt noch eine weitere Möglichkeit. In den 1960/70 Jahren wurden unweit der Insel El Hierro radioaktive Abfälle aus europäischen Kernkraftwerken im Meer versenkt. Mehrere Schiffsladungen wurden im Südwesten - ca. 100 Seemeilen vor der Küste - entsorgt. Fässer können rosten und den radioaktiven Inhalt freigeben. Die Unterwasserströmung kann diese Hinterlassenschaft auch weit verstreuen. 

Es konnte bei den Restingolita Untersuchungen nicht festgestellt werden, ob das Uran oberflächig oder in tieferen Schichten des Sedimentgestein enthalten war. Also - ob die Uran- Ablagerungen jung oder alt sind.

Festzustellen wäre allerdings um welche Art von Uran es sich handelt. 
Für Kernkraftwerke oder Forschungsreaktoren wird sicher nur eine bestimmte oder angereicherte Uransorte benötigt. Obwohl ich nicht daran glaube, kann nur eine genaue Bestimmung auch diese Ursache ausschließen. 

Es bleibt also im Augenblick noch ungeklärt, woher diese hohe - aber für den Menschen ungefährliche - Urananreicherung in den Restingolitas kommt. 

Kommentare:

  1. Hallo Herr Betzwieser,
    Sie schreiben :
    ...In den 1960/70 Jahren wurden unweit der Insel El Hierro radioaktive Abfälle aus europäischen Kernkraftwerken im Meer versenkt...
    Haben Sie dafür vielleicht auch Quellen oder Belege ?
    Wer hat was versenkt ? Wo genau ? Wann ?
    Über weitere Informationen würde ich mich sehr freuen (nicht aber über die Tatsache des Versenkens ;-))
    Don Limpio

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    1. Offizielle Meldungen gibt es zu diesem Thema nicht. Einfach mal Googeln wie:

      http://www.kanarenexpress.com/1000003/1000004/0/34675/article_tf.html

      oder http://www.focus.de/politik/deutschland/atommuell-im-nordatlantik-radioaktivitaet-entweicht-aus-undichten-faessern_aid_680302.html

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