Mittwoch, 8. Januar 2014

Kündigen Blitze Erdbeben an ?

NEWS:

Der Geowissenschaftler Robert Thériault vom Ministerium für natürliche Ressourcen der kanadischen Provinz Québec hat Berichte ausgewertet, die Lichtphänomene vor und während eines Erdbeben beschreiben.
Augenzeugen sahen unmittelbar vor einem Beben Blitze aus dem Boden steigen, merkwürdige Himmelsverfärbungen wie links auf einem Foto aus Mexiko dokumentiert - oder Lichtkugeln aus der Erde aufsteigen, die nach wenigen Sekunden wieder verschwanden. Diese Erdbebenlichter (Earthquake Lights) können mitunter Wochen vor den Erdstößen und Hunderte Kilometer vom Epizentrum eines Bebens entfernt auftreten, wie der Wissenschaftler in der Fachzeitschrift  "Seismological Research Letters" berichtet.

Es sind Beobachtungen die bis ins 16.Jahrhundert zurück reichen. Auch in Deutschland gab es mehrere Ereignisse von denen Augenzeugenberichte vorliegen. So am späten Abend des 16. November 1911 bei Ebingen auf der Schwäbischen Alb. Dort gab es insgesamt 110 Beobachter, die von einem Blitz aus dem Boden, der sich zu einer Kugel formte - kurz vor einem ML5,8 Beben, berichteten. Auch bei dem verheerenden Erdbeben 2009 in L'Aquila (ich hatte berichtet) gaben Lichterscheinungen einem Bewohner offenbar sogar die Möglichkeit, seine Familie zu retten. Der Mann brachte seine Familie vor dem Hauptbeben aus dem Haus ins  Sicherheit.
Was da nun dran ist, das möchte Robert Thériault physikalisch erklären. Es sind ernstzunehmende Berichte, die von Lichtern erzählen, die fast immer vor oder während der Erdstöße auftraten (Foto links aus Japan). Interessant ist auch, dass es sich um ein Phänomen handelt, das nicht an den Kontinentalrändern mit 95% der Beben, sondern immer auf der Kontinentalplatte beobachtet wurde. Er vermuten, dass sich unter großer mechanischer Spannung elektrische Ladung aufbaut und entlang der entstehenden Risse an die Oberfläche steigt, wo sie Luftmoleküle auflädt. Reibung erzeugt Wärme und wahrscheinlich auch elektrische Spannung die sich in Form eines Blitzes dann entladen kann.

Es ist ein interessantes Forschungsgebiet das sich im Moment nur auf einzelne Berichte stützt. An fast Allem ist aber in der Regel auch etwas dran. Rein logisch sind diese "Reibungsblitze" möglich.

Ich denke mit technischen Hilfsmitteln, wie durch eine Langzeitbeobachtung mit Infrarottechnologie oder Instrumente zur Messung einer elektrische Spannung bzw. Entladung, wäre es in einem Feldversuch vielleicht auch nachzuweisen.
Es würde natürlich dann eine ganz neue Möglichkeiten zur Erdbebenvorhersage darstellen. Nur wenige Minuten Vorwarnzeit könnten ausreichen, viele Menschen zu retten -

und ... El Hierro wäre im Moment genau der richtige Ort mit dieser Forschung zu beginnen. 
Schon mit geringem technischen Aufwand wäre es zumindest den Versuch wert, diesem Lichtphänomen auf die Spur zukommen.

Gestern und auch heute Vormittag wäre allerdings auf der Insel nichts zu beobachten gewesen. Es gab keine neuen Beben.
Die Bodenverformung bleibt allerdings auf ihrem hohen Niveau.

Reisen nach El Hierro

In den letzten Tagen erreichen mich Telefonate, Mails oder wie hier als Kommentar:

"Wir wollen in den nächsten Tagen Urlaub in einer Finca auf El Hierro machen. Gibt es in der jetzigen Situation Verhaltungsmassregeln, wie man sich als Tourist zu verhalten hat? Zumindest, wenn die Bebentätigkeit stärker wird, und die höchste Gefahrenstufe ausgerufen wird, was muss ich dann als Tourist beachten? Kann man da was nachlesen?"

Dazu Grundsätzlich:
Erdbeben treten plötzlich, vielleicht heftig und unerwartet auf. Es gibt keine Möglichkeit der Vorhersage und Frühwarnung.
Bestes Beispiel das ML5,1 Beben am 27. Dezember 2013. Weiterer Beben in dieser Größenordung in den nächsten Wochen werden von der IGN nicht ausgeschlossen.

Verhaltensregeln zum Nachlesen finden Sie im Merkblatt Erdbeben   Was mache ich, wenn in Starkbebengebieten die Erde bebt?
Es ist ein globales Dokument von Prof. Dr. Peter Bormann vom Deutschen Geo Forschungs Zentrum (GFZ) in Potsdam und auch für El Hierro gültig. Örtliche Merkblätter haben einen ähnlichen Inhalt.
Die Vulkan-Ampel für El Hierro steht auf "Grün" - also im Moment alles "Normal". Zuständig dafür ist der Kanarische Krisenstab - die Pevolca. Er koordiniert auch alle Warn- und Vorsorgemassnahmen.
Bei einer Änderung der Warnstufe werden die erforderlichen Massnahmen auf der Seite des Cabildo de El Hierro (span.) veröffentlicht.

Soweit die formellen und offiziellen Quellen.

Es ist der "gesunde Menschenverstand" den ich einsetzen würde.
Beben, Erdrutsch und Steinschlag sind wahrscheinlich. Also weg von den Steilhängen und möglichen Gefahrenquellen. Auch Straßen - wie im südlichen Golfo ab Sabinosa/ Pozo de la Salud Richtung Westspitze würde ich meiden. Sicher ist der Nordteil der Insel, die Hochlagen und der Süden um La Restinga. Auch im Golfotal alles was meerseitig der Hauptverkehrsstraße liegt.

Im Fall eines Falles wird Ihnen ein stärkeres Beben sicher nicht entgehen. Schnelle Information erhalten Sie von ihren Nachbarn, den Einwohnern und den deutschen Residenten. Die Behörden reagieren hier meist etwas zu langsam.
... oder natürlich hier ein Blick auf diese Seite.

El Hierro ist immer ein Erlebnis - auch in der vulkanischen Krise.
Ich denke damit ist alles gesagt.

Kommentare:

  1. Bebenassoziierte Blitze halte ich für durchaus möglich, bei den Lichtphänomenen in den Wolken (zumindest in dem beigefügten Photo) handelt es sich aber mit Sicherheit um sogenannte 'irisierende Wolken' (http://www.meteoros.de/iris/iris.htm), ein geometrisch-optischen Phänomen. Unter Umständen (bei sehr hohen Wolken) kämen auch 'Perlmuttwolken' in Frage.

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    1. Moin Roland!

      Mensch, was ist die Welt klein! :)
      Bei dem ersten Bild oben handelt es sich aber meiner Meinung nach um ein schönes Exemplar des Zirkumhorizontalbogens. Ziemlich stark farblich bearbeitet, aber eindeutig. Ein ZZB kanns nicht sein, dafür ist der Farbverlauf "falsch" herum. --> http://www.meteoros.de/arten/ee23.htm
      (Glücklicherweise hat diese Art von Lichtphänomen nichts mit Erdbeben zu tun, sondern nur mit Eiskristallen in der Luft.)
      Grüße, Daniel

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  2. ...diese Bemerkung ist richtig! Habe selbst schon derartige irisierende Wolken fotografiert - das Phänomen entsteht bei sehr hohen Cirruswolken und Minustemperaturen (Eiskristalle)... bei den Blitzen ist es immer so, dass die Energie zuerst aus der Erde aufsteigt und dann erst das Lichtphänomen abwärts erfolgt... wurde auch schon wissenschaftlich dokumentiert... Lichtkugeln und ähnliche Erscheinungen sind ein bisher weitgehend unerforschtes Phänomen ... "es gibt eben mehr zwischen Himmel und Erde, als der Mensch sich vorzustellen vermag..." ...es bleibt spannend!

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  3. Der Piezoelektrische Effekt ist etwas vergleichbares: Durch plötzliches Zusammendrücken eines Kristalls werden an dessen Grenzflächen hohe Spannungen erzeugt. Dies können genutzt werden, z.B. in einem Feuerzeug zur Funkenbildung. Hier wird durch einen Federmechanismus auf einen kleinen Kristall (z.B. Quarz) die Spannung erzeugt. Es ist also durchaus denkbar, das durch plötzliche Druckänderungen im Gestein vergleichbare Effekte eine Rolle spielen und zu erkennbaren Entladungen führen.
    Vielen Dank Manfred, für die nach wie vor spannende Berichterstattung von den Kanaren. Weiter so!
    Thomas

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    1. Beim Piezo Effekt entsteht die Gesamtspannung über die gesamte Länge des zusammengedrückten Kristalls. Vor Erdbeben wird der Fels ( eigentlich ist das auch nur ein Kristall ) zusammengedrückt und es entstehen große Potentialdifferenzen, die sich durch Leuchten bemerkbar machen.
      Selbst bei kleinen Erdbeben dürfte es diese Leuteffekte gebn, die abe entweder zu schwach sind weil die Potentialdifferenz so klein ist oder die anfallende Spannung wird kurzschlußartig abgeleitet.

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  4. Hallo Herr Betzwieser,

    ich komme gerade von El Hierro und habe das Erdbeben dort erlebt. Die Wände in meinem Apartment in 3. Stochwerk haben gewackelt und die Möbel sich bewegt. Am nächsten Tag habe ich mir dann die Schäden angesehen: Die Straße zwischen Pozo de la Salud und Abzweig Faro / El Julan war gesperrt. Ich bin dann ein Stück zu Fuß Richtung Arenas Blancas gegangen. Auf der Straße lagen zum Teil 1 Meter hohe Fels- und Gesteinsbrocken. Ein Stück weiter war die Straße, die direkt am Meer entlangführt, von Steinen übersät und schien teilweise weggerissen zu sein. Ich bin dann nicht mehr weitergegangen aus Furcht vor weiterem Steinschlag. Die Straße selbst war an vielen Stellen tief aufgerissen und hatte viele Krater.
    Zwischen Sabinosa und Los LLanillos war die Straße ebenfalls gesperrt.
    Ein Wunder, dass zum Zeitpunkt des Bebens niemand dort unterwegs war.

    Herzliche Grüße

    Helmut Boy aus Berlin

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  5. es gibt da einen ex NASA Physiker mit dem Namen Eric Dollard , der sich genau mit diesen Phänomenen ( vergl. Tesla) sehr gut auskennen dürfte ( einfach mal anfragen: ). Es handelt sich so auch Ericc- dabei um eine andere eher natürliche Erscheinungsform des elektrischen Stromes. Eric lebt nun in der Wüsteund ist trotz des Bartes alles andere als z B ein Prophet. Physikstudenten besuchen ihn dort und sagen ( 5 Jahre habe ich... und Physik studiert ( und bin doch auch nicht ein Stückchen weiser) , doch Eric hat mir in 5 Minuten die Augen geöffnet. Eric sagte es gibt kein Licht das durchs "Weltall reisst und deshalb auch kein c) die Sonne sei innen dunkel ( antimateriekern?) , Man hat ihm sein Labor weggenommen ( oder unter den Füssen verkauft) wo er die teils unglaublich klingenden Patente des Wissenschaftsdissidenten Nikolaj Tesla ( vergl " Frankenstein") nachbaute und feststellte: es funktioniert! : Hört sich alles ein bisschen an nach Tule Gesellschaft vielleicht gehörte Tesla ja dazu? von ERic erfolgreich nachgebaut Verlustfrei Übertragung von radiosignalen (durch die Erdmasse , sozusagen abgeschirmt von den Protonen) Schickt man z.B. Strom mit einer bestimmten Frequenz ( >Tesla Spule) direkt in die Erde kann man anderorts dass doppelte Menge wieder entnehmen. Damit hätte man mit strom aber nie Geld verdient, deshalb man... Die Erde und die Ionosphäre sind ist elektrisch leitend, die Atmosphäre dazwischen dagegen nicht. Die Erde- so Eric- funktioniert daher auch wie ein Kondensator. am besten selbst mal Eric`s website ansehen : EricP Dollard com.
    Was den El Discreto betrifft, so sind sich die meisten Vulkanologen offenbar einig dass die derzeitige Krise beendet sei, bis zur nächsten heißt es aber zugleich, Ein Frage war: Wenn von der Mantelplume aus eine Magmakammer praktisch "einläuft", dehnt sich die Magma stark aus ( Druckunterschied) und kann somit eigentlich nicht mehr in den Erdmantel zurück. Beibt als drin und wird wohl m.o.w. durchaus sehr schnell abkühlen und damit wieder härter , wenn die Hitze von unten nachlässt und muss von der nächsten Aktivität wohl erst wieder aufgeschmolzen werden Man weiß ja nicht von welcher Quelle( Magmakammer die bisher einzige Eruption 2011 gespeist war, es gibt ja offenbar mehrere. Im März 2013 verfolgte man über 2 Wochen wie das Magma zuerst von einer Tiefe von ca 25 km bis auf ca 16 km aufstieg. Danach hörte die Aktivität schlagartig auf. Jetzt gings weiter bis ca 10 km Tiefe. der Yellowstone kammer fängt bei ca 8 km Tiefe an, ähnlich könnte es auch auf den Kanaren sein. Anders ausgedrückt: war wohl nix. Dafür aber wohl spätestens bei nächsten oder übernächsten Mal ?!

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