Dienstag, 31. Dezember 2013

Vulkan - da kann man nur Staunen

NEWS:
01.01.14 - gestern Abend noch ein ML2,1 Beben aus nur 3 km Tiefe im Süden vor der Küste. 
31.12.13 - um 17.14 Uhr ein ML2,2 Erdstoß aus 15 km Tiefe - Inselmassiv (Tanganasoga)

Von der vor einigen Monaten im Meer vor Restinga stationierten Messboje sind keine ungewöhnlichen Wasserwerte registriert worden. Die von mehreren Forschungsinstituten betriebene Station zeigt auf der Vulcano Seite nur einen leichten Anstieg des pH-Wert (blau) und leicht fallende Co² Werte (grün). Luft- und Gasmessungen werden von der Involcan vorgenommen, die Daten aber nur sporadisch veröffentlicht. Aktuelle Zahlen liegen nicht vor (zur Frage von Monika). Heute 2 leichte Beben im Süden bzw. Westen. Die Ruhephase hält also weiter an.
Die Bodenverformungswerte sind nach den von der IGN veröffentlichten GPS Messungen leicht zurück gegangen. Es sind nie aktuelle Werte, sondern Messergebnisse von zurückliegenden Tagen. Die Basis bilden die per Satellit zur Uni Nagoya in Japan gefunkten Zahlen. Hier werden sie ausgewertet und von der spanischen IGN in einer eigenen Grafik übernommen und veröffentlicht.
Wie werden nun diese Daten gelesen? - (diese Frage wurde mehrfach gestellt). Zum besseren Verständnis links die japanische Originalgrafik vom Messpunkt La Frontera. Erste Tabelle die Veränderung von Ost nach West. Hier ein leichter Rückgang (rot). Zweite Tabelle die Verschiebung von Nord nach Süd und 3. der vertikale Anstieg Up down (in IGN Statistik nur mit "u" bezeichnet). Die roten Messpunkte sind die vorläufigen Werte, die erst noch überprüft werden und dann in Blau erscheinen. Im Grunde ist diese Grafik sehr ungenau da auf wenigen Zentimetern ein relativ langer Zeitraum dargestellt wird. Der ungefähre Trend ist aber abzulesen. Hier sollte sich die IGN vielleicht einmal etwas Detaillierteres ausdenken, da diese Zahlen doch viele Rückschlüsse und Vorhersagen zulassen. Neben den seismischen Aufzeichnungen und der Gaskonzentration, bilden die GPS Daten ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung.

Sinneswandel in der Fachwelt

Das anerkannten Colegio de Geologos (ICOG) in Madrid hat gestern durch den Vizepräsident, den Geologen Jose Luis Barrera, in einer Pressemitteilung sinngemäß folgende Neuigkeit erklärt:

"Die vulkanische Aktivität unter El Hierro hat seit ihrer jüngsten Entstehung im Jahre 2011 bis heute überhaupt noch nicht aufgehört und wird erst durch einen Vulkanausbruch auf dem Inselmassiv oder als Unterwasser Eruption sein Ende finden. Wann dies sein wird, kann jedoch nicht vorhergesagt werden."

Da staunt der Laie zu welch sensationell neuen Erkenntnissen nun die "Fachwelt" kommt. Hatte nicht Pevolca und IGN bereits mehrfach das Ende der Vulkanaktivität verkündet ?

Es ist natürlich auch Balsam und Genugtuung für den "Propheten in der Wüste" solche Aussagen zu hören. Wurde von den Geologen und Vulkanologen die Lage etwa bisher falsch eingeschätzt.
Ich denke Nein.
Die Daten standen allen zur Verfügung ... und mit etwas logischem Denken und Einschätzen der Lage müssen sie zum gleichen Ergebnis gekommen sein.
Nur sind die Wissenschaftler in ihrem Handeln nicht unbedingt frei und ihrem Brötchengeber verpflichtet ...und die Politik verfolgt oft andere Wege.

Wie dem auch sei - auch ein Vulkanologe mit dem Vorsatz "Hobby" kann die Lage zutreffend beurteilen und vor allem offen dazu Schreiben.

So sah es nach dem jüngsten ML5,1 Beben auf der Straße im südlichen Golfoausgang (Foto Avcan) aus. Hier sollte man nicht unbedingt währen des Bebens unterwegs gewesen sein. Es war nicht die einzige Straße die von Geröll und Steinschlag unpassierbar wurde. Weitere Beben in ähnlicher Größenordnung werden auch von der IGN erwartet. Wäre es nicht ratsam steinschlaggefährdete Straßen, Steilhänge oder Wanderwege direkt am Kraterrand vorsorglich zu sperren? Die Pevolca hält dies im Moment für nicht erforderlich (ich hatte gestern dazu berichtet).

Kommentare:

  1. Kann man nun genau sagen, wann diese erneute Anhebung der Insel genau stattgefunden hat? Zuerst schrieben Sie. dass die Inseln sich nach dem 5.1 Beben am 27.12. in zwei Tagen um 15- 70 mm angehoben hätten- das wäre der 28. und 29. 12. . In diesem Artikel aber sagen sie dass die Zeitpunkte, wann diese Bodenverformungswerte gemessen wurden, immer mehrere Tage zurücklägen. Gibt es die Tabellen auch mit Datum?
    Danke und mit freundlichen Grüßen
    H Hummel

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  2. Leider gibt es keine genauen Statistiken mit Zeiteinteilung die Veröffentlicht werden. Die IGN ergänzt ihre Diagramme im 1 oder 2 Tages-Rhythmus unregelmäßig. Die angezeigten Werte liegen also immer mindestens einen Tag zurück.
    Optimal und sicher auch technisch möglich, ein GPS-Diagramm in Echtzeit oder in leicht versetzter Zeit, wie bei den Beben - und vor allem Aussagekräftiger.

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    1. Die Graphen sind sehr gering" aufgelöst" und stellen Entwicklungen über Monate dar Auf der Internet seite Earthquake- report findet sich der IGN Graph mit Monatsangaben Earthquake report schrieb , die starke Anhebung wäre am 28 - 29 gewesen Am 31.12 dachte man wieder mal , die Krise sei wahrscheinlich vorbei. Kein Tremor signal mehr. Die Insel setze sich wieder (Deflation). La Frontera wäre an einem Tag ( 31.12) um ganze 4 cm abgesunken. Ansonsten betrug die Absenkung ca 2 cm . Am 1 Januar da hätte sich der Tremor wieder verstärkt. der Messpunkt HI04 Sabinosa hätte sich an einem einzigen Tag ( 1 Januar) wieder um 2 cm angehoben . Bei der 1 Aktivität 2011 wo sich der Lavaaustritt entlang einer ganzen Strecke/ Spalte ereignete hatte ich den Eindruck, der Druck hätte sozusagen den Vulkanschild im Süden angehoben wie einen Deckel , d h,. eine Eruption würde wenn dann wohl dort stattfinden wo sich die Insel am meisten hebt. Es ist so wie Sie schrieben: Wie die Erdbeben scheint auch der Vulkanismus im Atlantik unberechenbar und kommt ganz ohne Vorwarnung. Man darf sich vom dem Vulkan dennoch nicht kirre machen lassen. Genug diskutiert, daher nur kurz: die Sonnenaktivität stieg am 31.12. auch wieder weiter an. Keine neue SEP zwar, aber 3 M flares und X ray background flux stieg über C level + mehrere erdgerichtete KMAs die aufgrund der positiven SEP Ladung der Erde gerade voll ins Magnetfeld einwirken und einen geomagnetischen Sturm auslösten. Solche KMAs können auch diese Aktivitäten verstärken.

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  3. Frohes neues Jahr, Herr Betzwieser! Ihr Blog wird immer besser; es ist ein Vergnügen, immer wieder vorbeizuschauen :-) --- Hoffentlich muss er aber keine Katastrophen im neuen Jahr berichten. Alles Gute! Barbara aus Mainz

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  4. Hallo Herr Betzwieser, frohes neues Jahr erst mal und vielen Dank für Ihre unermüdliche Berichterstattung! Ich wollte nur kurz etwas zu den häufig monierten GPS-Daten sagen. Es ist keine böse Absicht, dass diese Daten nie in "Echtzeit" angezeigt werden, dass ist schlichtweg technisch gar nicht möglich. Das normale GPS-System ist viel zu ungenau für eine derartige Höhenbestimmung (Meter-Bereich). Um Bodenverschiebungen im cm-Bereich festzustellen wird das sogenannte Differential-GPS verwendet. Dazu gibt es auf den Kanaren 2 Referenz-Stationen auf La Palma und Gran Canaria. Um nun verlässliche und genaue Werte zu erhalten, müssen über einen längeren Zeitraum Daten gesammelt werden und durch mathematische Verfahren korrigiert werden. Das schnellste Verfahren, dass die Uni Nagoya auf El Hierro verwendet ist die "Ultra-rapid solution", diese hat aber trotz des Namens eine Latenz von 6 Stunden. Die weiteren Verfahren: "Rapid solution" mit 2 Tage Latenz und "Final" mit 2 Wochen Latenz. Wie Sie daran sehen, sind die Daten die veröffentlicht werden recht aktuell.

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