Dienstag, 3. Juli 2012

El Hierro Vulkan - in der Nacht ein ML4,4 Beben

NEWS:
18.46 Uhr - weitere kräftige Beben bis ML3,8 heute
 - IGN schließt Beben in den nächsten Tagen von bis 4,5 oder 4,6 nicht mehr aus
-  eine Eruption an Land laut Maria Jose Blanco (IGN) ist ziemlich ausgeschlossen.
- das spanische Innenministerium unterstellt notwendiges Militär, Guardia Civil und Hilfsdienste der Kanarischen Regierung
- die vor Ort bereits eingesetzten Kräfte werden verstärkt
- die vergangene Nacht verbrachten viele Anwohner von Sabinosa aus Angst vor Beben auf der Straße.
- leichter Steinschlag und kleine Erdrutsche auf vielen Straßen zu beobachten


Auch wenn die Pevolca (Krisenstab) von einer Abnahme der Bebenaktivität spricht, sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. Gestern Abend um 22.42 Uhr hatten wir das bislang schwerste Beben mit ML4,4 in 19 km Tiefe am südlichen Westzipfel. Dieses Beben habe selbst ich im Norden wahrgenommen. Es folgten weitere kräftige Erdstöße wie auf der Grafik das ML4,2 um 2.31 Uhr in 21 km Tiefe. Zwar nimmt die Anzahl der Beben ab, aber deren Stärke zu. Das einzig beruhigende ist, daß das Zentrum in der Tiefe zwischen 17 bis 21 km verharrt. Solange die Beben nicht in flachere Höhen wandern, dürfte die Gefahr einer Eruption gering sein. Es ist nach meiner Meinung aber nur eine Frage der Zeit, bis dies geschieht - und das kann dann sehr schnell erfolgen. Hier links auf der AVCAN Grafik die Zentren und mit Pfeilen markiert das südwestlichste bewohnte Ort im Golfotal - Sabinosa.

Sabinosa, ein abgelegenes Bergdorf wie ein Adlerhorst in den Berghang gebaut mit gerade mal 250 Einwohnern, war gestern mein Aufenthaltsort. Das noch ursprünglichste Dorf der Insel mit ausgestorbene steilen Gassen, die Jugend ist längst ausgewandert und besonders liebenswerten älteren Menschen. Im örtlichen Aushangkasten in der Dorfmitte hängt noch die letzte etwas vergilbte Mitteilung der Gemeinde Frontera aus dem Jahre 1994. Ich habe hier herzliche Dinge erlebt über die ich einmal später berichten werde. Ein Ort das durch Erdrutsch und Steinschlag jetzt besonders gefährdet ist. Gerade mal ca. 8 km entfernt liegt das Epizentrum. Ein Blick von Pozo de la Salud in die Bergwand zeigt die instabilen Felswände mit einem alten Erdrutsch. Angst hat hier niemand - aber mulmig ist es uns schon. Die da "Oben" sagen uns nur das, was sie auch sagen wollen - so eine Bewohnerin.

Der Blick schweift zur nördlichen Westspitze. Hier im südlichen Bereich erfolgte auch heute Nacht das ML4,4 Beben. Das "La Dehesa" Gebiet ist ein flacher Inselausläufer mit einigen kleinen Badestränden. Was man sonst kaum auf der Insel findet gibt es hier. Weiße Sandbadestrände wie auf der Aufnahme unten, die "Arenas Blancas".

Kommentare:

  1. D. Griepenburg3. Juli 2012 um 12:47

    Arenas Blancas im Westen....

    Der weiße Sandstrand besteht aus Resten von Muscheln und Krustentieren.
    Der starke Sog und der oftmals gewaltige Wellengang bewirken das Antreiben von weggeworfenem Müll.
    Aus diesem Grund ist der Strand bei einigen Einheimischen als dreckig verschrien.
    Aufgrund starker Strömungen und Wellengänge eignet sich die Bucht nur bedingt zum Baden.
    Als wir dort waren, war es dort so windig, das daß Baden dort unmöglich war.

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  2. Auch in Österreich liest man in den Lokalmedien von El Hierro

    http://orf.at/#/stories/2129083/

    Quelle: orf.at

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  3. Hallo

    Hier mal eine recht interessante Grafik von ER wo nur die horizontalen Bewegungen der GPS.Stationen berücksichtigt sind:

    http://earthquake-report.com/wp-content/uploads/2011/09/eh-03072012-2.jpg

    Die grünen Pfeile sind die Verschiebungen und die roten Pfeile deren Richtung und Stärke.

    Ich vermute da mal ein verrutschen der Insel auf der Erdkruste da die Magma SW von El Hierro aufsteigen will. Das würde auch die "starken" Beben erklären und davon werden bestimmt noch einige kommen. Letzteres ist für El Hierro, mal abgesehen von Steinschlag und Erdrutschen, nicht direkt bedrohlich.

    @ Manfred

    Laut ER wurden auf El Hierro Handzettel von der Pevolca verteilt was und wie man bei einer möglichen Evakuierung wie zu packen hat, kannst Du dies bestätigen?

    "eine Eruption an Land laut Maria Jose Blanco (IGN) ist ziemlich ausgeschlossen."

    Wenn ich richtig übersetzt hab hält sie auch einen Ausbruch im Mar Las Calmas z.Zt. für nicht möglich. Dies würde sich auch mit meiner Vermutung decken das sollte es zu einem Auswurf kommen eher eine Tiefe unter 2.000m unterm Meeresspiegel kommen sollte. Damit wäre die Eruption harmloser wie vor Restinga.

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  4. Ich kann es gerade nicht lassen, mich einzumischen. Es wird oft angenommen, dass Arenas Blancas sich aus Saharasand oder Muschelresten zusammensetzt. In Wirklichkeit besteht er aus hellem Bimsstein. Diesen Stein findet man dort auch überall, er schwimmt auf dem Wasser, ähnlich wie der Restingolit.
    Liebe Grüsse und danke für die zuverlässigen Informationen
    Gabriella

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  5. Jürgen: Das mit den Handzetteln war letztes Jahr. Jetzt, in der ganzen letzten Woche, habe ich davon nichts mitbekommen.

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  6. Danke Susie

    Konnte ich mir auch nicht vorstellen, aber Danke für die Bestätigung vor Ort. Die Insel ist sicher so meine bisherige Analyse, leider nur blöd zu erreichen :-(! Ich plane gerade eine Tour im Herbst/Winter dorthin.

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  7. Es hat keiner auf der Straße geschlafen, einige Leute sind kurz aus den Häusern und dann wieder ins Bett, so haben wir es auch gehalten.
    Grundfalsch wäre es im Augenblick einen Alarmismus zu verbreiten der dazu beitragen würde daß die Leute zwangsevakuiert werden, für Außenstehende ist es vielleicht spannend auf das ganz große Ding zu warten oder zumindest den Golf evakuiert zu sehen, wir stehen dem skeptisch gegenüber, simpel weil wir hier leben und es um UNSERE Existenz geht; wir sehen genau hin aus welchen Gründen man sich für unsere Lage interessiert, zuoft wurde seit nunmehr einem Jahr die Lage der Inselbevölkerung dazu benutzt sich wichtig zu machen oder Geld zu verdienen. Die Medien vorneweg, aber auch viele Politiker. Am besten überlässt man die 'Gabeteros' ihrer Urteilskraft und der Erfahrung im Umgang mit dieser Krise, bestens informiert (über die Jungen) werden sie schon wissen wann sie ihr Dorf verlassen und die Tiere freilassen müssen. Nur wünschen sie dazu keine Einmischung von außen, und das kann ich als seit 25 Jahren hier lebender Amrumer auch gut verstehen.

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    1. Uli Vorberg übrigens, sorry!..

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  8. Laut earthquake-report ist an der Küste möglicherweise ein kleiner Jacuzzi zu sehen.

    www.earthquake-report.com/2011/09/25/el-hierro-canary-islands-spain-volcanic-risk-alert-increased-to-yellow/

    Wenn ich mir die Bilder so ansehe und dazu den Kommentar von dem Isländischen Vulkan-Blog, kann das wirklich durchaus der Fall sein.

    Grüße Richard

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  9. Guten Morgen.

    Die gemeldete Stelle wäre dann ziemlich genau hier:

    http://goo.gl/maps/kd68

    Der heutige Tag könnte spannend werden wenn sich die Existenz eines kleinen Unterwasservulkans nahe der Südküste bestätigen sollte.
    Alles Gute
    freddy

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  10. zu "keine Einmischung von aussen"
    Ich hoffe, es sind nicht alle Inselbewohner so eigenbrötlerisch. Entweder man will am Tourismus verdienen, oder man wünscht "keine Einmischung von aussen".
    Das kommt schon unsympatisch rüber, so quasi Geld sollen die Touristen schon dalassen aber das Recht auf eine Meinung zu den Zuständen wird ihnen abgesprochen.
    In einer globalisierten Welt, in der alles mit allem zusammenhängt, wird es schwer bis unmöglich sein "keine Einmischung von aussen" durchzusetzen. Indigene Urwaldvölker können so was verlangen, aber das sind die Inselbewohner ja wohl nicht...?

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  11. Guten Morgen allerseits

    Wenn es so wäre, könnten die im Centro de visitantes El Julan eine Web-Cam postieren!
    Ist dieses Objekt überhaupt noch bewohnet?
    Unterhalb dieses Ortes befindet sich ein altes Lavafeld.
    (Siehe unter Google Earth)

    Herzlicher aus der nebligen Ostschweiz
    Carlos

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  12. @Dani: Es geht nicht um den Tourismus, (der ist längst weg) sondern um das Schicksal der Dorfbewohner die schwere wirtschaftliche Einbußen bei Viehwirtschaft und Gartenanbau hinnehmen müssten bei einer Evakuierung die von außen angeordnet wird wie im letzten Jahr; als eine Art Aktionismus in Reaktion auf die internationale Presse. Also den Ball flachhalten, damit hilft man uns.
    Mit dem Vorwurf der Eigenbrötlerei können die Gabeteros leben, wer sich wirklich für sie interessiert und auf sie zugeht wird auf ein weltoffenes und kultiviertes Völkchen stoßen von dem man einiges in Sachen Überleben lernen kann. Liebe Grüße, Uli.

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