Freitag, 28. Oktober 2011

El Hierro Vulkan - Bebenserie

Eine Bebenserie mit bis zu 3,3 auf der Richterskala ließ heute Nachmittag das Golfotal erzittern. Innerhalb von nur einer halben Stunde ereigneten sich 7 Erdstöße. Den Auftakt machte um 14.16 Uhr ein Beben mit 3,3 RSk. Der bisher stärkste Erdstoß im Golfo. Alle Bebenzentren lagen um die 20 km Tiefe im nahen Küstenbereich.
Auch anschließend bebte der Küstenabschnitt weiter. Das letzte Beben um 15.54 Uhr mit 2,2 RSk.

Aus den Unterwassermessungen des ROV Liropus im Süden der Insel wurde vom Instituto Espanol de Oceanografia (IEO) ein digitales Unterwassermodell des neuen Restinga Vulkan erstellt. Sehr gut ist die Berg- und Talregion mit dem aufgeschütteten Vulkanhang zu erkennen. Die rote Linie kennzeichnet den Lavafluß auf den Meeresboden. Wenn man nicht wüsste, daß alles unter dem Meeresspiegel liegt, könnte das Landschaftsbild mit seinen Bergzügen und tiefen Barrancos auch die Insel El Hierro selbst sein.
Um allen Gerüchten entgegen zu treten der neue Vulkan sei bereits vor langer Zeit entstanden, hier diese Aufnahme. Eine Echolot Vermessung der gleichen Unterwasser Gegend aus dem Jahre 1998, noch ohne Vulkan.
Festgestellt wurden heute auch leichte Deformationen des Golfotales. Der Untergrund wölbt sich nach oben, was auf einen sich erhöhenden Druck im Untergrund hinweist.

Nachtrag:  Inzwischen weitere vier Erstöße, das letzte Beben um ca.17.14 Uhr mit 3,0 RSk.

Kommentare:

  1. Hallo,

    ich bin jetzt leider kein Profi in diesen Dingen, aber wenn es Hinweise auf sehr hohen Druck gibt, könnte es dann sein, dass ein weiterer Ausbruch statt findet, der eventuell explosiv sein könnte?

    Ich finde es immer noch schade, dass man von offizieller Seite kaum Informationen über die Vorgänge erhält.

    Damit meine ich keine Panikmache, sondern sehe die Notwendigkeit die Bevölkerung zu schützen.

    Ich habe manchmal den Eindruck, die Behörden halten sich zu sehr zurück um mögliche Touristen nicht abzuschrecken.

    Viele Grüße
    Flo

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  2. Manfred Betzwieser28. Oktober 2011 um 18:50

    Dem ist leider so. Nicht nur Touristen, sondern auch um die eigenen Leute zu beruhigen. Eine trügerische und vor allem gefährliche Verharmlosung. Ich habe schon viel darüber geschrieben.

    Gruß
    Manfred

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  3. Halo,

    ich finde dies ist der informativste Blog über die vulkanischen Aktivitäten auf El Hierro.
    Hier wird gelassen sachlich dargestellt und die Kommentare und deren Links sind ebenso informativ und sachlich.

    Anmerkung zur Seite "http://www.ign.es/ign/resources/volcanologia/HIERRO.html":
    Diese zeigt alle relevanten Daten und Diagramme auf einer Seite und ist seit Gestern bei den Diagrammen gut überarbeitet worden. Einfach lobenswert und übersichtlich.
    Nur klappt es seitdem nicht mehr so richtig mit der Aktualisierung. Diese ist heute bei 7:36:28 bei den meisten Diagrammen stehen geblieben Stand bis 18:00 UTC. Nur die Seismische Kurve "Forma de onda" zeigt noch zeitnah an.
    Entweder hat man aufgrund der angespannten Lage besseres zu tun als die Aktualisierung zeitnah zu tätigen (Evakuierungsvorbereitungen), oder man will die kritisch werdenden Daten etwas zurückhalten, oder einfach technische Probleme, ...

    Ich hoffe, das es nur technische Probleme sind, die bald behoben werden, da ich immer zuerst auf dieser Seite nachsehe was aktuell läuft, bevor ich alle anderen (auch diese ;-)) durchgehe.


    Viele Grüße
    Arnold

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  4. mueller.rolf@greenmail.ch28. Oktober 2011 um 19:18

    Hallo Manfred Betzwieser

    Danke für die ausführliche Berichterstattung. Sie Ist neutral, informativ und mit (berechtigten) Kommentaren. Man ist quasi live dabei.
    Auch nach meinen Ferien auf Fuerte bin ich sehr am Geschehen interessiert und mittlerweile schon fast ein kleiner Experte bei den vielen lehrreichen Informationen.
    Leider ist das Ganze in den Schweizer-Medien kein Thema wert.
    Besten Dank.
    Rolf Müller

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  5. Das eingesetzte Echolotgerät (EM-710) ist auf der Ramon Margalef fest eingebaut, das ROV ist dafür erfreulicherweise nicht notwendig. Eine Position für den neuen Vulkan habe ich auch gefunden: 27º37'12" Nord, 17º59'30" West.

    @Flo: Die Behörden haben schon vor einiger Zeit vor explosiven Ausbrüchen gewarnt, wenn die Eruption in flacheren Gewässern stattfindet. Für größere explosive Ausbrüche an Land gibt es keinerlei Hinweise. Alle auf El Hierro zu findenden Schlackenkegel haben etwa so wie der Stromboli agiert. In unmittelbarer Nähe sollte man aber auch da nicht sein.
    Gruss HPS

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  6. PS: Die generelle Ausrüstung der Ramon Margalef ist hier nachzulesen: http://www.eurofleets.eu/np4/85.html
    HPS

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  7. Hallo,

    http://www.ign.es/ign/resources/volcanologia/Hierro.html wurde wieder mal einigermaßen aktualisiert.
    Auf der Unterseite http://www.ign.es/ign/resources/volcanologia/html/energiaHierro.html ist gut zu sehen, wie die aufackumulierte Enerie jetzt doch sehr sehr stark durch die 4 Beben mit 2.9 -> 3.3 an Fahrt aufnimmt.
    Wenn dann noch dazu die Tiefe höher rutscht wird es für das Golfotal doch erheblich brenzliger.
    Eine Verbindung der 2 Magmablasen scheint sich auch schon anzudeuten, ist aber noch stark nicht ausgeprägt.
    Bleibt nur zu hoffen, das die nächste Ausbruchsstelle weit genug außerhalb in größerer Wassertiefe bleibt. Weiter und tiefer als bei Restinga.
    Hauptsache die Ortschaften und Infrastruktur wird nicht durch zu starke Beben in Mitleidenschaft gezogen.
    Also weiter warten wie sich alles entwickelt und wo es hinwandert.
    Gruß Arnold

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  8. Hallo Herr Betzwieser,
    ich lebe auf Gran Canaria und verfolge Ihren Blog jeden Tag. Allerdings frage ich mich wie es sein kann, das heute erst wieder bei unserem deutschen Radiosender MIX 101 FM zu hören war die Lage auf El Hierro würde sich normalisieren und die seismische Aktivität würde abnehmen. Das ist doch entgegen aller Tatsachen und ganz offensichtlich eine absichtliche Falschmeldung!
    Grüße von GC, Tobi

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  9. Meine Freundin lebt seit 25 Jahren auf der Insel, deshalb bin ich mit El Hierro sehr verbunden.
    Deine Berichterstattung finde ich sehr gut, sehr objektiv. Mach weiter so, ich fühle mich dadurch gut informiert.

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  10. Hallo,

    erst mal ganz herzlichen Dank für diesen informativen Blog. Ich wohne halbjährig auf Lanzarote und verfolge die Ereignisse auf der kleinen Kanarenschwester im Südwesten mit viel Interesse und auch ein bißchen Sorge.

    Inzwischen habe ich "gelernt", die offiziellen seismografischen Tabellen zu lesen (Link oben von Arnold). Allerdings verstehe ich die neuesten Daten, die von den anderen Inseln kommen, überhaupt nicht. Um ca 19.06 Uhr fangen die Seismographen alle an zu spinnen. Außer Teneriffa und - seltsamerweise - El Hierro. Die Dinger können doch nicht alle gleichzeitig defekt sein. Kann das jemand deuten?

    Gruß moni

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  11. Hallo Moni,

    die Seismographen haben wahrscheinlich das schwere Erdbeben von Peru heute Abend gespürt.

    Gruss LaraC.

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  12. @Moni
    Seismographen spinnen hier nicht,sie zeichnen die Wellen anderer Erdbeben auf der Welt auf. Heute Erdbeben in Peru 6,9Mag

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  13. Hallo,

    Dürfte das schwere Erdbeben in Peru sein, das hier zu sehen ist siehe auch http://earthquake-report.com/

    Die unterschiedliche Stärke der Seismographen der einzelnen Inseln dürfte eine unterschiedliche Gain-Kalibrierung sein, um die Darstellung in Grenzen jeweils fein genug aufzulösen.

    Hier wäre jeweils eine Angabe der Empfindlichkeitsstufe sinnvoll, um die Unterschiede von vorneherein auch zu verstehen und einordnen zu können.
    Eine seitliche Skala könnte dies gut verdeutlichen (so wie die km-Scala auf vielen Landkarten)

    Gruß Arnold

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  14. Danke für die schnellen Antworten. Ich hatte das bislang gar nicht mitbekommen. Hoffentlich sind die Folgen des Bebens nicht so schlimm. Das rückt aber die Sicht auf die Verhältnismäßigkeit wieder ein bißchen zurecht, finde ich.

    Gruß moni

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  15. Hallo,

    Jo´n Fri´mann ist in seinem Blog "http://www.jonfr.com/volcano/" ebenso besorgt über eine ev. Verbindung der beider Magmablasen unter dem Golfotal.
    Er ist jedenfalls Experte und befürchtet ebenfalls, das hier ev. plötzlich ohne weitere Vorabbeben sich direkt an der Küste ein neuer Schlot bei weiter ansteigendem Druck öffnen könnte. Dies würde die Bevölkerung im Golfotal massiv gefärden.

    Dummer Spruch:
    Wir Frösche außerhalb des Kochtopfes springen sofort wieder heraus wenn wir in das "sehr warme" Wasser springen. Die Frösche die schon die ganze Zeit im Topf sitzen wundern sich nur über unsere Hecktik und ärgern sich nur, das die aufkommenden Blubberblasen anfangen weh zu tun. Trotzdem denkt keiner ans herausspringen. ...
    Außerhalb ist es ja zu kalt und man friert dann etwas. |-(.

    Aus meiner Sicht ist jetzt der Zeitpunkt erreicht, wo man die wirtschaftlichen Interessen mal zurückstellen sollte, die wichtigsten Dinge packen sollte und das Golfotal eine Weile zu verlassen solange es noch möglich ist. Zur Zeit scheint der Bereich bei Valverde noch recht sicher zu sein. Dort ist ja auch der Flughafen und in Tamaduste ein Bootssteg und Puerto de la Estace ein Jacht-Hafen, um die Insel notfalls verlassen zu können falls er anfängt zur Sache zu gehen (GoogleEarth sei dank).

    Gruß Arnold

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  16. Jon Frimans Blog ist sehr informativ. Aber er betont immer, dass er kein Vulkanologe ist. Also "Experte" im Sinne von sehr interessierter und informierter Laie. Wie viele andere dort.
    Marion

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  17. Warum geht die Web-cam nicht mehr? Wurde sie abgeschaltet?
    VG
    Josch

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  18. Ich möchte die Aussagen von Jon Frimans noch mal verstärken. Die Bebenkonzentration sagt nicht viel über einen möglichen Ausbruchsort voraus. Schließlich ist die Eruptionsstelle südlich von La Restinga nahezu erdbebenfrei gewesen und geblieben.
    Gruß HPS

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